Unsere Ideen und Ziele

  1. Unser Auftrag
  2. Unser Tagesablauf
  3. Pädagogische Zielsetzung
    Vermittlung von Basiswissen
    Erwerb der verschiedenen Kompetenzen
    Personale und emotionale Kompetenz
    Soziale Kompetenz
    Motorische Kompetenz
    Spracherwerb
    Kognitive Kompetenz
  4. Alters- und entwicklungsentsprechende Förderung
  5. Vorbereitung auf die Schule
  6. Kontakt zu Eltern
    Kontakt zwischen Eltern und ErzieherInnen
    Elternabende und Elterntreffen
    ElternvertreterInnen
  7. Fortbildungen der ErzieherInnen
  8. Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten
  9. Schlusswort


Begrüßungsstein der Lintler Buschkinners


1. Unser Auftrag

Der Waldkindergarten als öffentlich anerkannte und geförderte Kindertageseinrichtung hat den gleichen Auftrag, wie alle anderen Kindertagesstätten auch: Tageseinrichtungen dienen der Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern. Sie haben den Auftrag, die Persönlichkeit eines Kindes zu stärken, es in sozialverantwortliches Handeln einzuführen, die Sprachfähigkeit, die Erlebnisfähigkeit, Kreativität und Fantasie zu fördern, den natürlichen Wissensdrang und die Freude am Lernen zu pflegen. Hierbei orientiert sich der Waldkindergarten Kirchlinteln an den Stärken, Interessen und Bedürfnissen der Kinder. Erfahrungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Lernfeldern sollen die Kinder zu eigenständigem Denken herausfordern.

Eine zentrale pädagogische Position des Waldkindergartens besteht darin, die Kindergartenzeit als einen eigenständigen Lebensabschnitt der Kinder ernst zu nehmen. Diese Erziehungs- und Bildungsaufträge entsprechend des Orientierungsplans für Bildung und Erziehung (herausgegeben vom Kultusministerium) lassen sich in der Natur in hervorragender Weise umsetzen. Es gibt weder eine Reizüberflutung durch ein extrem hohes Angebot an industriell hergestelltem Spielzeug, noch durch einen sehr hohen Lärmpegel. Die Stille ermöglicht den Kindern, ihre Aufmerksamkeit in vollem Maße auf ihr eigenes Tun zu richten.

Vielfältiges Schaffen


2. Der Tagesablauf

Der Waldkindergarten „Lintler Buschkinners e.V.“ ist eine Halbtagseinrichtung mit fester Betreuungszeit von 8.00 bis 13.00 Uhr täglich.

 

BRINGZEIT FÜR DIE KINDER (8.00 BIS 8.15 UHR)

Die Kinder werden am Parkplatz des Waldgebietes in Empfang genommen und von den ErzieherInnen beaufsichtigt.

 

MORGENKREIS

Jede Gruppe hat ein eigenes immer wieder kehrendes Ritual zur Begrüßung. Anschließend folgt ein Spiel, eine Geschichte, ein Lied, eine Erzählrunde, eine gemeinsame Reflexion, eine Instrumentenvorstellung, Klanggeschichten, Fingerspiele, Raterunden, Mitmachgeschichten, eine Einheit zum Vertiefen des jeweiligen Themas/Projekts ...

 

WANDERUNG

Anschließend erfolgt die Wanderung durch den Wald, entweder mit dem Ziel des Bauwagens oder eines anderen Platzes im Wald. Dabei haben die Kinder Zeit, die nähere Umgebung zu erforschen. Interessante Entdeckungen werden mit der gesamten Gruppe besprochen und sind Ausgangspunkt für kleinere Projekte und Aktionen.

 

FRÜHSTÜCK

Das gemeinsame Frühstück findet immer im Freien statt. Wichtig ist das Einhalten des festen Rituals: Zunächst müssen sich alle Kinder und Erwachsene die Hände waschen; nach dem Tischspruch beginnen alle gemeinsam mit dem Frühstück. Die lockere Atmosphäre des gemeinsamen Frühstücks ist idealer Rahmen für das freie Erzählen der Kinder über ihre Erlebnisse, Probleme und Wünsche für den weiteren Tagesablauf. Es erfolgen hier regelmäßig Absprachen unter den Kindern für das weitere (Gruppen-)Spiel.

FREIES SPIEL UND/ODER KREATIVANGEBOTE

Dann folgen Aktionen im Wald wie z.B. Hüttenbau, Klettern, Verstecken, Toben, Material sammeln, Graben, mit Wasser panschen/backen/ bauen..., Basteln, Malen, Schneiden, Sägen, Werken sowie Arbeiten in der Kleingruppe, Brettspiele, Vorlesen, Angebote zu Tanz-, Rollen- und Theaterspiele und Musik.


ABSCHLUSSKREIS

Zum Abschluss wird mit gelenktem Spiel oder einem Angebot in der Gruppenrunde (auf der Decke/Plane oder im Waldkreis) fortgefahren. Der Abschlusskreis findet generell vor oder nach dem Rückweg zum Abholplatz statt und endet wiederum mit einem festen Ritual.

 

ABHOLZEIT (12.45 BIS 13.00 UHR)

Die noch anwesenden Kinder werden von den Erzieherinnen beaufsichtigt. Eine verlängerte Betreuungszeit wird bei Bedarf umgesetzt.


3. Pädagogische Zielsetzung

Vermittlung von Basiswissen

Kinder haben einen natürlichen Wissensdrang, den es zu unterstützen gilt. Kinder sind eifrige Forscher und Gestalter. Sie besitzen die Kunst des Forschens und sind sehr empfänglich für den Genuss, den das Erstaunen bereitet. Je mehr man von der Welt weiß, desto interessanter wird sie.

Die wildnispädagogische Haltung des Fragestellens regt zum Sprechen und Forschen an. Die Kinder werden darin unterstützt selbständig eigene Antworten und Lösungen für Probleme zu finden. Die pädagogischen Fachkräfte bereichern das Angebot durch zum Thema passende Spiele, Lieder, Reime und Informationen in Form von Büchern oder Experimenten.

Die Natur im Wechsel der Jahreszeiten ist ständige Quelle von Neugier und Fragen. Ein wichtiges Anliegen ist es, den Kindern die Liebe zur Natur über gefühlsmäßige und sinnliche Erfahrungen, die Erweiterung ihrer Kenntnisse von Tieren und Pflanzen, sowie durch Erleben ihres Körpers in der Natur zu wecken und zu fördern: „Was ich liebe, das schütze ich“. Die Vermittlung dieses Basiswissens erschöpft sich nicht in der Beantwortung einzelner Fragen, diese sollen vielmehr Ausgangspunkt für systematische Projekte sein, die sich am jahreszeitlichen Zyklus der Natur orientieren.

Im Frühling freuen wir uns z.B. über die frischen Buchenblätter, die lecker schmecken. Den Kindern sind die Buchen durch gemeinsames Bestimmen und Probieren vertraut. Später im Jahr hören sie einen Buchfink oder finden Bucheckern und erfahren, dass die Buchstaben zum Drucken eines Buches früher aus Buchenholz gemacht wurden. Der Erfahrungsraum im Wald mit seinem breit gefächerten Angebot für die Sinne lädt zum unmittelbarem Erleben ein. Dabei bleiben diese Projekte nicht auf die Natur und ihre Vorgänge beschränkt, sondern stellen auch eine Verbindung zum Alltag und Alltagswissen her.

Ein Beispiel für ein solches Projekt ist „Vom Korn zum Brot“. Dabei wird der gesamte Zyklus vom Korn, über Keimung, Wachstum und Ernte bis hin zur Mehlbereitung und Brotbacken über einen längeren Zeitraum bearbeitet. Aussaatversuche mit verschiedenen Körnern, Feldbegehung mit einem benachbarten Landwirt, Geschichten zur Vorratshaltung bei Tieren oder der Besuch beim Bäcker sind nur Beispiele für viele Aktivitäten rund um dieses Thema.

Dieses Beispiel verdeutlicht unser Anliegen, die Natur nicht im Rahmen einer Inselpädagogik im Wald zu behandeln, sondern diese in einen größeren Kontext zu stellen und die vielfältige Bedeutung für unsere Alltagswelt erfahrbar zu machen. Für den Erfolg solcher langfristiger Projekte, d.h. gerade auch das anhaltende Interesse möglichst aller Kinder, ist es besonders wichtig, die Wünsche der Kinder wesentlich mit einzubeziehen, wie dies beim situationsorientierten Ansatz der Fall ist.

Die allgemeinen pädagogischen Ziele eines Kindergartens – personale und emotionale Kompetenz, soziale, motorische und kognitive Kompetenz sowie die Vermittlung von Basiswissen - gelten auch für den Waldkindergarten. Die natürliche Umgebung mit ihrer Vielfältigkeit und jahreszeitlichen Dynamik bietet hervorragende Möglichkeiten, diese Ziele zu verwirklichen.

 

„GÄBE ES NUR EINE WAHRHEIT,
MAN KÖNNTE NICHT HUNDERT BILDER ZUM GLEICHEN THEMA MALEN.“

(Pablo Picasso)

Zauber und Kreativität mit der Natur.

Erwerb der verschiedenen Kompetenzen

Die Entwicklung mit dem Erwerb der verschiedenen Kompetenzen kann in Form eines Hauses dargestellt werden (Dr. Armin Krenz, Autor und Dozent am Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel). Das Fundament des Hauses ist die personale und emotionale Kompetenz, das Selbstbewusstsein des Kindes. Die Mauern bilden die soziale und die motorische Kompetenz und erst das aufliegende Dach umfasst die kognitive Kompetenz, die noch vor einigen Jahren als alleiniger Indikator für die Schulfähigkeit herangezogen worden ist.

Personale und emotionale Kompetenz

Die Entwicklung und Festigung der eigenen Persönlichkeit ist ein wichtiges Ziel. Die Kinder sollen lernen, sich für sich selbst einzusetzen, eigene Grenzen zu spüren und ernst zu nehmen. Durch das Auffordern zu selbstständigem Handeln, dem Erlernen des Umgangs mit Werkzeug, dem Ermutigen zum Klettern ohne Hilfestellung haben die Kinder Erfolgserlebnisse, die das Selbstvertrauen stärken. Ein klar strukturierter Tagesablauf mit festen Ritualen (z.B. Morgen- und Abschlusskreis, gemeinsames Frühstück) gibt den Kindern Sicherheit. Die Einführung neuer/jüngerer Kinder in diese Rituale durch die Älteren sowie die Weitergabe erworbener Erfahrungen an jüngere Kinder ist eine wichtige Quelle für das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. In der Auseinandersetzung mit den anderen Kindern erleben die Kinder auch die eigenen Grenzen. Das Erlernen des Umgangs mit Misserfolgen ist ebenso wichtig wie die Fähigkeit, mit Erfolgserlebnissen angemessen umzugehen. Die Kinder lernen ihren Blick zu weiten, sich in andere hineinzuversetzen und dass Regeln ein Mittel sind, um Miteinander zu schaffen, in dem alle ihren Platz und Akzeptanz finden (Rücksichtnahme, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Empathie).

Die vollkommene Freude beim Gelingen eines Vorhabens.

Soziale Kompetenz

Die soziale Kompetenz ist eine Schlüsselkompetenz für den späteren Lebensweg. Eine hohe Sozialkompetenz basiert auf einer eigenen gefestigten Persönlichkeit. Ziel ist das Erlernen des angemessenen Umgangs mit anderen in verschiedenen Situationen. Die Kinder haben bis zum Eintritt in den Kindergarten bedingt durch ihre familiäre Konstellation und das soziale Umfeld sehr unterschiedliche Erfahrungen. Im täglichen Miteinander im Kindergarten erweitern sie ihre Erfahrungen insbesondere im Umgang innerhalb der größeren Gruppe etwa Gleichaltriger.

Der Fülle des Waldes steht ein bewusst reduziertes Materialangebot gegenüber, welches wiederum Anreiz zum miteinander Sprechen gib: Darf ich die Schaufel auch mal haben? - Eine freundliche Kommunikation erleichtert das Teilen. Es erfordert und fördert auch das fantasievolle Gruppenspiel. Dabei ist die Abstimmung untereinander eine wichtige Voraussetzung. Die Durchsetzung eigener Wünsche ist dabei genauso integraler Bestandteil, wie die Zurückstellung eigener Vorstellungen. Streit als Instrument der Konfliktbewältigung lässt sich dabei nicht vermeiden. Die Entwicklung einer geeigneten Streitkultur ist wichtiges Ziel auf dem Weg zu sozialer Kompetenz. Hierbei kommt den ErzieherInnen eine wichtige Rolle zu. Zulassen von Streit ist genauso wichtig wie die Hilfestellung bei der Schlichtung: „Streiten lernt man nur durch Streit“.

Die grundsätzliche Ruhe und Weite des Waldes ohne Lärm und Reizüberflutung ist dabei sehr förderlich für die Konfliktbewältigung. Ein Kindergarten ohne „Tür und Wände“ hilft, dass Konfliktsituationen nicht zu einem Stresszustand bei den Kindern führen. Gleichzeitig bietet die Weite des Waldes ideale Voraussetzung für den Rückzug aus Konflikten, ohne die Tür zu schließen (Raum ohne Räume).

Für die sozialen Strukturen der Gruppe hat das tägliche gemeinsame Frühstück eine wichtige Funktion. Es ist nicht nur ein räumliches Zusammenrücken. Unabhängig von vorherigen (Spiel-)Gruppen oder Konflikten führt es alle Mitglieder der Gruppe wieder zusammen. Bewusst gefördertes Teilen ist Anknüpfungspunkt für neue Kontakte.

Insbesondere die regelmäßigen Waldexkursionen mit der Gruppe erfordern ein hohes Maß an Zusammenhalt und Kooperation. Hierbei sollen demokratische Abstimmungsprozesse geübt werden. Der Sinn von einfachen Regeln, an deren Aufstellung die Kinder selbst beteiligt werden, lässt sich hier besonders gut erleben. Die Kinder lernen dabei auch, aufeinander Rücksicht zu nehmen, z.B. an den „Haltepunkten“ auf Langsamere zu warten.

Alle gemeinsam.

Motorische Kompetenz

Das Bewegen in der Natur, Laufen über unebenen Boden, Klettern, Balancieren, Springen fördert die Grobmotorik auf ganz einzigartige Weise. Zunächst eher zaghaft und unsicher, entwickeln die Kinder sich mit der Zeit zu Experten auf diesen Gebieten. An diesen Herausforderungen wachsen die Kinder und ihr Selbstvertrauen. Der lockere, sandige Boden im Wald und das Vorkommen von Feldsteinen und Baumstämmen in allen Größen bieten ideale natürliche Voraussetzungen zum Buddeln und Burgenbauen.

Der Wald an sich bieten viele Anregungen für kreative Aktivitäten. Naturmaterialien wie Zapfen, Früchte, Blätter, Moos bieten vielfältige Möglichkeiten für kreatives Handeln.

Die Kinder lernen ihre eigenen Fähigkeiten kennen und schätzen. So wird aus einem Stein ein Auto oder aus einem Stock ein Malstift. Zapfen werden mühselig auseinandergenommen, aus Moos, Blättern, Stöckchen und Sand werden die schönsten Bilder kreiert und aus Kastanien entstehen mal edle Ketten und mal eine Vielzahl von Tieren.

Durch diese Tätigkeiten und durch den regelmäßigen Umgang mit Werkzeugen wie z.B. Sägen, Hammer, Schnitzmesser, Astscheren u.ä. werden außerdem unbewusst Fähigkeiten erworben, die eine wichtige Voraussetzung für das Erlernen einer korrekten Stifthaltung und Scherenführung sind.

Beim Basteln und Werken stehen die Naturmaterialien im Vordergrund, können aber gelegentlich mit „herkömmlichen Bastelmaterialien“ wie Papier/Pappe, Scheren, Klebstoff, Woll- und Stoffresten sowie Buntstiften und Wasserfarben kombiniert werden.

Das Arbeiten mit Werkzeugen ist für die Waldkinder eine Selbstverständlichkeit.

Spracherwerb

Durch die Jahreszeiten haben wir stetig einen „neuen“ Kindergarten, der zum Forschen und Sprechen anregt. Spiele, Reime und Lieder zu Jahreszeiten, Tieren und Pflanzen ergänzen die Sprachbildung. Für den Spracherwerb ist ausreichende Bewegung ein wichtiges Element, diese ergibt sich im Wald wie von selbst. Wir sehen Sprachförderung als Querschnittsaufgabe und denken es beim praktischen Handeln als integraler Bestandteil.

Es werden vorgefertigten Spielzeuge bewusst in geringer Zahl zur Verfügung gestellt, sowie Situationen geschaffen, in denen die Kinder sich selber äußern bzw. mit einander sprachlich auseinander setzten müssen. Z.B. sprechen sich die Kinder ab, wer jetzt die Schaufel bzw. die Schubkarre hat und wer als nächstes bzw. wann diese Dinge weiter gegeben werden.

Die Spiele der Kinder sind häufig Rollenspiele, bei denen sie sich austauschen und einigen müssen. Kinder erfahren, dass sie durch das Sprechen auch Erfolge erzielen, und entwickeln dadurch eine richtige Lust an der Sprache.

Hierbei entstehen immer wieder eigene Wortspiele und Wortneuschöpfungen. Dies fördert nicht nur eine vielschichtige Ausdrucksweise, sondern hat auch positive Auswirkungen auf das Verhalten im Umgang mit den anderen Kindern der Gruppe.

Besonders in Situationen wie Morgenkreis, Frühstück, Kleingruppenarbeit, Abschlusskreis wird gezielt das Werkzeug Sprache eingesetzt z.B. durch Singen, Reimen, Fingerspiele, Rollenspiele, Mundmotorik-Spiele, Silbenklatschen oder Erzählrunden zu bestimmten Themen. Gespräche während des Morgenkreises bzw. der Abschlussrunde geben den Kindern die Möglichkeit, ihren aktiven und auch ihren passiven Wortschatz fortlaufend zu erweitern. Natürlich gibt es im Bauwagen auch Bücher und Spiele, die dazu dienen, z.B. in Kleingruppen über Geschichten zu sprechen und sie später beim Frühstück für alle noch einmal nachzuerzählen. Dem Gebrauch von (Bilder-)Büchern sind auch im Wald keine Grenzen gesetzt.

Die pädagogischen Fachkräfte fordern Sprache altersabhängig von den Kindern ein, gestalten Situationen in denen die Kinder Wünsche formulieren und fordern die Kinder auf, Streitigkeiten in erster Linie selber verbal zu klären. Zudem bereitet der Wald im besonderen Maße feinmotorisch auf das spätere Erlernen der Verschriftlichung der Sprache vor.

Vielfältige Sinneseindrücke werden im Wald geboten (Beeren schmecken, Harz riechen, Vogelstimmen hören), die wiederum zu vielfältigen Sprachbeschreibungen Anlass geben. (Harz ist klebrig / harzig, Beeren schmecken süß / sauer / bitter, Vögel tackern / zwitschern / tirilieren, die Kinder rufen „Zizibä Zizibä“ um Vogelstimmen zu imitieren.)

Das Wort „morsch“ beispielsweise wird dem Kind nachhaltig vertraut, wenn es ein morsches Holz in den Händen zerbricht und dabei den Geruch des morschen Holzes wahrnimmt. (Zitat Rose Gösse, Sprache und Spiel im Kindergarten 2007).

Gemeinsam die Sprache ausprobieren.

Kognitive Kompetenz

Zur kognitiven Kompetenz gehört das auditive Kurzzeitgedächtnis, die Merkfähigkeit und das visuelle Gedächtnis. Das bedeutet, dass die Kinder Gehörtes verstehen, sich merken, in Zusammenhang bringen und danach wiedergeben können. Die Kindergartenkinder üben das täglich in den Kreissituationen: Wochentage, Geschichten, Gedichte, Lieder, Spiele. Im Wald ist das Lernen besonders „nah“ und ganzheitlich.

Die Kinder gehen sehr wach und interessiert durch ihre Umgebung und sind stets wissbegierig. Auch das Lerninteresse und die Neugierde zählen zur kognitiven Kompetenz. Die Kinder aus dem Wald haben ein hohes Maß an Interesse an den Dingen und große Motivation, Dinge zu erfahren. Das liegt wohl auch daran, dass sie so viel Interessantes umgibt. Selbst scheinbar langweiligere Themen, wie Bäume bestimmen, motivieren die Kinder sehr, da sie von ihnen umgeben sind. Die Waldkinder sehen die Bäume in ihrem Wald, lernen ihre Namen aus Bestimmungsbüchern und ordnen ihre Blätter und Früchte den jeweiligen Bäumen zu. Sie erfahren etwas über die im Wald lebenden Tiere (Aussehen, Gewohnheiten, Schlafplätze der Rehe, Kot-, Fraßspuren von Tieren), sehen Bilder dazu im Buch, entdecken dann die Spuren im Wald wieder. Sie erfahren es hautnah – mit allen Sinnen, und können dann bei weiteren Spaziergängen auch den Eltern davon berichten.

Um den Schulalltag überhaupt bewältigen zu können, Aufgabestellungen verstehen und umsetzen zu können, brauchen die Kinder natürlich auch Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Aufmerksamkeit. Das üben die Waldkinder täglich in Kreissituationen und zusätzlich in der Kleingruppenarbeit.

Was kann das Waldkind aus dem Gedächtnis mit Tusche nachzeichnen?


4. Alters- und entwicklungsentsprechende Förderung

Nicht nur die Vorschulkinder, sondern alle Kinder, sollen altersentsprechend gefördert werden, damit sie nicht über- bzw. unterfordert werden. Aus diesem Grund werden die Kinder entsprechend des jeweiligen Entwicklungsstands in „Kleingruppen“ aufgeteilt und nehmen an im Mittel einem Tag in der Woche an Angeboten teil, die ihrem Alter und ihrer Entwicklung gerecht werden. Das Arbeiten in der kleinen Gruppe ermöglicht eine detaillierte Auseinandersetzung mit einer alterspezifischen Materie und ein intensives Eingehen auf die einzelnen Kinder sowie deren Beurteilung und Förderung. Hiervon profitieren sowohl die Großen, die hinsichtlich der Vorbereitung auf die Schule in der entsprechenden Kleingruppe insbesondere in den kognitiven und feinmotorischen Fähigkeiten sowie der Konzentration geschult werden, als auch die Kleinen, die unter den Gleichaltrigen anders zu Wort kommen. Den Kindern werden beispielsweise altersgemäße Bücher vorgelesen oder sie beschäftigen sich je nach Alter und Entwicklung mit Farben und Jahreszeiten oder Zahlen und Wochentagen.

Regelmäßige Kleingruppenarbeit.


5. Vorbereitung auf die Schule

Eine immer wiederkehrende Frage der Eltern betrifft die Vorbereitung auf die Schule. Nachfolgend ein paar Anmerkungen dazu:

Feinmotorik

Der Wald bereitet im besonderen Maße feinmotorisch auf das Erlernen des Schreibens vor. Die Kinder üben ihre feinmotorischen Fähigkeiten durch das Handtieren mit den verschiedenen Naturmaterialien wie z.B. das Aufheben von Tannennadeln oder das Zerpflücken von Zapfen. Ebenso unterstützt der Umgang mit verschiedenen Werkzeugen wie Hammer, Säge, Handbohrer und Schnitzmesser die Entwicklung der Feinmotorik. Die Kinder bohren Löcher in Kastanien und Eicheln und fädeln sie oder auch Perlen auf.

Die Kinder haben prinzipiell die Möglichkeit, Bilder mit Buntstiften zu malen, lernen den Umgang mit Pinsel und Wasserfarben und schneiden z.B. ein Segel für ein gebautes Holzschiff zurecht oder einen Faden für eine Kordel.

Das Selbstporträt aus dem Spiegel abzeichnen.

Das Stillsitzen/Konzentration

Sowohl im Morgenkreis als auch in der Schlussrunde folgen die Kinder aufmerksam dem Geschehen. Es wird gemeinsam gesungen und über Aktuelles geredet oder es werden Bewegungs- aber auch Konzentrationsspiele gespielt. Auch während des Frühstücks und beim Geschichten lesen sitzen die Kinder zusammen. Sie lernen anderen zu zuhören und andere ausreden zu lassen, auch wenn die eigene Mitteilung immens wichtig erscheint.

Doch das Stillsitzen lernt man nicht allein durch das Sitzen auf dem Stuhl. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der ausgelebt werden möchte. Wird den Kindern die Möglichkeit geboten, sich ausgiebig zu bewegen, sind sie anschließend besser in der Lage, sich auf das jeweilige Thema zu konzentrieren.

Konzentration bei den Erläuterungen des Fachmanns über verschiedene Insekten.

Farben und Formen

Farben erleben die Kinder in der Natur - das Blau des Himmels, das Weiß der Wolken, das Grün der Blätter, das Rot und Gelb der Blume – und im Wechsel der Jahreszeiten, was besonders deutlich an der Verfärbung der Blätter zu erkennen ist. Auch Formen zeigen sich den Kindern in der Natur beispielsweise durch Blätter verschiedener Laub- und Nadelbäume oder Baumscheiben. Weitere Formen entstehen beim Kneten von Matsch und Ton und beim Werken mit Holz oder beim Legen verschiedener Formen mit Naturmaterialien oder bunten Steinen. Im Bauwagen sind Gegenstände aus dem täglichen Gebrauch wie Becher, Teller etc. und auch einige Tischspiele vorhanden, bei denen Farben und Formen zugeordnet werden.

Gerade Formen kann man prima mit Stöcken legen, für Kreise eignen sich dagegen Steine.

Umgang mit Zahlen

Zählen kann man alles, was sich im Wald befindet: Steine, Tannenzapfen, Bäume oder auch die Kinder während des Morgenkreises. Dabei kann eine Zahlenfolge wie ein Reim aufgesagt werden. Neben dem Zählen geht es aber auch um die Vermittlung des Mengenverständnisses (viel, wenig, mehr, weniger).

Zählen kann man in der Tat alles! Sind es mehr blaue oder weiße Steine?


6. Kontakt zu Eltern

Kontakt zwischen Eltern und Erzieherinnen

Vor dem Eintritt in den Waldkindergarten können sich Eltern durch die angebotenen Aktionen, wie z.B. Schnuppernachmittage, öffentliches Sommerfest, öffentliche Elternabende umfangreich informieren. Außerdem darf jedes Kind mit seinen Eltern die zukünftige Kindergartengruppe an einem Vormittag in den Wald begleiten.

Vor dem ersten Tag des Kindes im Waldkindergarten bekommt jedes Kind Besuch von einer der zukünftigen Erzieherinnen. So ist den Kindern schon eine Erzieherin vertraut, die Erzieherinnen können besser auf das Kind eingehen und die Eltern haben eine gute Möglichkeit, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.

Der Kontakt zwischen Eltern und ErzieherInnen ist für die tägliche Arbeit unerlässlich. Eltern haben täglich die Möglichkeit sich mit den pädagogischen Fachkräften in der Bring- und Abholzeit auszutauschen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, telefonisch oder per E-Mail mit den Fachkräften zu kommunizieren oder einen persönlichen Gesprächstermin zu vereinbaren.

Über das Jahr verteilt findet je ein ausführliches Elterngespräch statt. Bei diesem Gespräch werden den Eltern Besonderheiten ihres Kindes aufgezeigt und durch eine enge Abstimmung und Orientierung mit den Eltern verabredet, wie z.B. bei Bedarf auch die sprachliche Entwicklung zu Hause integriert werden kann.

Außerdem präsentieren die Erziehrinnen mit dem Kind den Eltern das „Baumbuch“. Das Baumbuch enthält den „Entwicklungsbaum“, der in Zusammenarbeit mit der Grundschule in Bendingbostel und den Regelkindergärten der Gemeinde Kirchlinteln aufgrund des schwedischen Modells „Baum der Erkenntnis“, ausgewählt und modifiziert wurde. Gemeinsam wird dafür mit dem Kind ausprobiert und besprochen, wie seine Fähigkeiten in den einzelnen Kompetenzbereichen (emotional, sozial, motorisch, sprachlich, kognitiv) sind. Der Fokus liegt besonders auf seinen Stärken! (In dem ich die Stärken stärke, schwäche ich die Schwächen).

Die Kinder übergeben ihren Entwicklungsbaum der Lehrerin/ dem Lehrer, wenn dieser zu uns kurz vor den Sommerferien zum gegenseitigen Kennenlernen in den Wald kommt. So ist gewährleistet, dass die Kinder entsprechend ihrer Entwicklung gefördert und gefordert werden können.

Elternabende und Elterntreffen

Zweimal im Jahr finden Elternabende, die von den ErzieherInnen organisiert werden, statt. Der erste Elternabend erfolgt aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zu den Wahlen der ElternvertreterInnen bis Ende September. Der zweite Elternabend ist im Frühjahr und wird bei Bedarf als öffentlicher Info-Abend gestaltet. Die Themenschwerpunkte dieser Abende können variieren, z.B. die pädagogische Arbeit, Planung und Durchführung von gemeinsamen Aktivitäten (s.u.). Es besteht auch die Möglichkeit, zu verschiedenen Themen einen Referenten einzuladen.

Zusätzlich erfolgt zu Beginn des Kindergartenjahres ein Treffen aller Waldkindergarteneltern. Dieses Treffen dient zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Einführung der neuen Eltern in das Vereinsleben. In den letzten Jahren wurde das Treffen auch zur Planung des Rübenmarktes genutzt. Darüber hinaus finden je nach Bedarf Treffen der Eltern einer Kindergartengruppe statt, die von den ElternvertreterInnen organisiert werden.

ElternvertreterInnen

Auf dem ersten Elternabend eines Kindergartenjahres wird pro Kindergartengruppe ein/e ElternvertreterIn und sein/ihre StellvertreterIn gewählt. Die Amtszeit beträgt ein Jahr.

Der/die ElternvertreterInnen sind Mittler zwischen den Eltern und den ErzieherInnen. In regelmäßigen Abständen treffen sie sich mit allen ElternvertreterInnen der Gemeinde Kirchlinteln. Zusätzlich hierzu können sie an den Kreiselternratssitzungen im Landkreis Verden teilnehmen.


7. Fortbildungen der Erzieherinnen

Die ErzieherInnen haben die Möglichkeit, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen. Vorrangig wird auf die Weiterbildung in dem Bereich der Natur- und Waldpädagogik Wert gelegt. Um sich sprachliche Ressourcen anzueignen, werden themenbezogene Fortbildungen genutzt.

Auch durch Fortbildungen im Bereich Sprache und Musik können weitreichende, pädagogisch wertvolle Ansätze in die Arbeit einfließen. Zusätzlich zu den Fortbildungen steht den pädagogischen Fachkräften diverse Fachliteratur zur Verfügung.

Selbstverständlich ist die Fortbildung im Bereich der Ersten-Hilfe. Die Kenntnisse der ErzieherInnen hierzu werden spätestens alle drei Jahre aufgefrischt.

Es finden 2 Mal im Jahr regionale Waldkindergartentreffen und einmal im Jahr ein niedersächsisches Treffen der Waldkindergärten statt. Diese Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch der ErzieherInnen und dadurch der Verbesserung des pädagogischen Handelns. Die Teilnahme der ErzieherInnen an diesen Treffen ist erwünscht.


8. Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten

Im Rahmen des vom Land Niedersachsen geförderten Projektes „Brückenjahr“ wurde gemeinsam mit der Lintler Geest Schule und den Kindergärten „Unter den Buchen“ und Bendingbostel das Dokumentationsverfahren „Baum der Erkenntnis“ aus Schweden auf unsere Gegebenheiten umgeschrieben.

Mit der Lintler Geest Schule Bendingbostel findet weiterhin eine enge Zusammenarbeit statt z.B. gegenseitige Hospitationen, gemeinsame Dienstbesprechungen und Aktionen, u.s.w. Mit den Kindergärten Bendingbostel und „Unter den Buchen“ in Kirchlinteln findet ebenfalls eine Zusammenarbeit statt wie z.B. gemeinsame Fortbildungen und gegenseitige Besuche. Eine Vernetzung findet mit anderen Schulen und Kindergärten bei Bedarf statt.

Zudem finden regelmäßig überregionale und regionale Treffen der Waldkindergärten statt. Dort wird sich über aktuelle Themen und Fertigkeiten ausgetauscht.

In Zusammenarbeit und mit dem Einverständnis der Eltern wird nach Bedarf mit Therapeuten z.B. Logopädie oder Ergotherapie zusammen gearbeitet. Regelmäßig findet eine Zusammenarbeit mit einer Ergotherapeutin statt. Dem Waldkindergarten steht des weiterem eine Fachberatung (Landkreis Verden) zum Schwerpunkt Sprache zu, welche jeder Zeit in Anspruch genommen werden kann.

Jedes Jahr wird, wie im Orientierungsplan festgeschrieben, ein Kooperationskalender von den Kindergärten und der Schule erstellt. Es findet ein gemeinsamer Elternabend von den im Projekt „Brückenjahr“ beteiligten Kindergärten und der Schule statt. Nach gemeinsamer Vorbereitung mit den ErzieherInnen wird – gut 1 Jahr vor der geplanten Einschulung - in der Schule das Sprachverständnis der Kinder überprüft (Sprachstandsfeststellung „Hase Primel“ bzw. “Hexe Mirola“). Außerdem haben die werdenden Schulkinder die Gelegenheit, nach der gemeinsamen Fahrt mit dem Schulbus mit den ErzieherInnen für einige Stunden in den Schulalltag der Lintler Geest Schule zu schnuppern. Im Gegenzug erhalten auch die Lehrer mit ihren Schülern die Möglichkeit, im Waldkindergarten zu hospitieren.

Auch zu den Schulen in Verden und Luttum, die von den Kindern in Zukunft besucht werden, herrscht kontinuierlicher Kontakt, so dass auch hier die verschiedenen Angebote der Schulen für die Kindergartenkinder vor der Einschulung wahrgenommen werden.

Darüber hinaus besuchen sich verschiedene Gruppen der Regelkindergärten in Kirchlinteln und der Waldkindergarten gegenseitig. Die Besuche dienen dem gegenseitigen Kennenlernen und Informationsaustausch sowie der übergreifenden/vernetzenden Zusammenarbeit.


9. Schlusswort

KLEINSEIN HEISST KNIE WUND
KLEINSEIN HEISST SAND IM MUND

KLEINSEIN HEISST WASSER SPRITZEN
KLEINSEIN HEISST BARFUSS FLITZEN

KLEINSEIN HEISST BLUMEN PFLÜCKEN
KLEINSEIN HEISST GRAS IM RÜCKEN

KLEINSEIN HEISST INSGEHEIM
DER ERDE NÄHER SEIN


(Gedicht „pauls frühe weltkontakte“; Auszug aus dem Buch „PAUL gibt sein Bestes“ von Manfred Sestendrup)